Handball-EM
60 Minuten gegen die Unbesiegbaren

26 Jan | news | BY Anja Landmann | MIN READ TIME |
60 Minuten gegen die Unbesiegbaren

Deutschland – Dänemark (Mo., 20.30 Uhr)

Die Szene passt zu diesem Turnier. Die Halle tobt, Experten überschlagen sich, Superlative fliegen durch den Raum – und Andreas Wolff bleibt nüchtern. Während sich die Handballwelt noch vor seiner Gala gegen Norwegen verneigt, richtet Deutschlands Nationaltorhüter, zum zweiten Mal in Folge Spieler des Matchs, den Blick bereits nach vorn. Auf das nächste Spiel. Auf den nächsten Gegner. Auf das wahrscheinlich schwerste Duell, das die DHB-Jungs in dieser EM bisher gespielt haben. Jetzt kommt eine der besten Mannschaften der Geschichte“, sagte Wolff. Kein Understatement, kein Psychotrick. Sondern Realität. Denn was heute Abend auf die Deutschen wartet, ist nicht weniger als Dänemark in Bestbesetzung – Weltmeister, Gastgeber, Dominator einer ganzen Ära. Und doch: Gislason und seine Mannschaft stehen vor ihrem ersten Matchball.

Es braucht mehr als einen überragenden Wolff

22 Paraden. 44 Prozent Fangquote. Gegen Norwegen war Andreas Wolff nicht nur der beste Spieler auf dem Feld, sondern der Grund, weshalb Deutschland überhaupt noch von einer Medaille träumen darf. Von „phänomenal“ bis „bester Torhüter der Welt“ war alles zu hören. Teamkollege Marko Grgić brachte es ungeschönt auf den Punkt: „Er hat uns einfach mal wieder den Arsch gerettet.“ Ehrlich. Richtig. Doch genau hier liegt die unbequeme Wahrheit vor dem Dänemark‑Spiel: Eine One‑Man‑Show reicht diesmal nicht. Die Skandinavier leben davon, Fehler gnadenlos zu bestrafen. Jeder überhastete Abschluss, jeder riskante Pass im Rückraum, jeder unnötige Ballverlust wird in Tempo umgemünzt. Und Tempo – das ist Dänemarks DNA. Wer hier gewinnen will, braucht mehr als Leidenschaft. Er braucht Struktur, Geduld und Disziplin. Oder wie Wolff es selbst formulierte: „Wenn wir jetzt noch anfangen, Angriff zu spielen, dann bin ich sehr glücklich.“

Die Ausgangslage

Deutschland führt die Hauptrundengruppe an: sechs Punkte, dahinter Frankreich und Dänemark (je vier), Portugal und Norwegen (je zwei), Spanien ist raus. Die Rechnung ist einfach: Ein Sieg aus zwei Spielen gegen Dänemark und Frankreich reicht fürs Halbfinale. Ein Sieg jetzt – und das Ticket ist sofort gelöst. Der Druck? Liegt nicht bei Deutschland. Sondern beim Gastgeber.

Seit Nikolaj Jacobsen 2017 das Trainer-Amt übernommen hat, ist Dänemark die Blaupause für modernen Spitzenhandball. Vier Weltmeistertitel in Folge, olympisches Gold, olympisches Silber. Kaum ein Team war über Jahre so konstant, so souverän und so unangreifbar. Und doch fehlt ausgerechnet der EM‑Titel in dieser Ära. 2022 Platz drei. 2024 Finalniederlage gegen Frankreich. 2026 – jetzt soll es endlich passieren. Im eigenen Land. In Herning. In der Jyske Bank Boxen. Doch selbst Maschinen wie die Dänen haben Schwachstellen. Portugal hat sie gefunden. Mit extrem sauberem Positionsspiel, kaum Ballverlusten und maximaler Geduld nahmen sie den Nordeuropäern das Tempo – und schockten den Gastgeber beim 31:29.

Deutschlands Chance

Will Deutschland eine Chance haben, braucht es weniger wilde Abschlüsse, weniger Eins‑gegen‑Eins aus ungünstigen Positionen, stattdessen klare Kreuzbewegungen, konsequentes Anspiel an den Kreis, Würfe aus vorbereiteten Situationen. Einfache Tore aus dem Tempo bleiben wichtig, aber nicht um jeden Preis. Gegen Dänemark entscheidet nicht die Anzahl der Angriffe, sondern deren Qualität. Defensiv braucht es maximale Abstimmung gegen Mathias Gidsel. Beim letzten direkten Duell – dem 30:40 bei der WM 2025 – war der Welthandballer kaum zu kontrollieren. Dieses Mal muss die deutsche Abwehr früher helfen, klüger übergeben, kompakter stehen.

Die Statistik spricht gegen Deutschland – der Moment dafür

Sechs Spiele. Sechs Niederlagen. Seit Jacobsen Dänemark trainiert, hat Deutschland kein einziges Duell gewonnen. Und trotzdem hängt dieser eine Satz über allem: „Von zehn Spielen gegen Dänemark verliert man wahrscheinlich neun. Aber die Dänen wissen nicht, wann das zehnte ist.“ (Co‑Trainer Erik Wudtke)

Wenn diese Rechnung stimmt, dann gewinnt die DHB-Auswahl heute / . Als eingespieltes Team. Mit einem Torhüter in Weltform. Mit einer Ausgangslage, in der man mehr gewinnen als verlieren kann.

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Anja Landmann

Anja Landmann

Sportjournalistin, die seit jeher in Fußballstadien zu Hause ist und den Fußball – von heimischen Spielen bis hin zu internationalen Großereignissen – lebt und atmet.

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Sportjournalistin, die seit jeher in Fußballstadien zu Hause ist und den Fußball – von heimischen Spielen bis hin zu internationalen Großereignissen – lebt und atmet.