Thomas Tuchel startet seine lange Reise zum möglichen WM-Titel mit dem Start der Qualifikation. In Wembley gehts für den Deutschen zum Auftakt gegen Albanien. Dabei hat er neben Zuspruch auch mit Widerständen zu kämpfen.
Die Pressekonferenz im Oktober, mit der Bekanntmachung, dass Thomas Tuchel neuer Coach der englischen Nationalmannschaft werden würde, sorgte national für einige Schlagzeilen. Die Engländer sehen ausländische Trainer der Three Lions nicht nur kritisch, dass ein Deutscher übernimmt, sorgte noch zusätzlich für Zündstoff. Im Fußball haben die englischen Fans drei große Rivalen: Schottland, Argentinien und eben Deutschland. Dies liegt zum einen daran, dass die DFB-Elf viele wichtige Duelle bei Welt- und Europameisterschaften für sich entscheiden konnte und natürlich spielen auch zwei Weltkriege eine Rolle. Somit hatte sich Tuchel bei seiner Eröffnungspressekonferenz fast entschuldigt, einen deutschen Pass zu besitzen und ließ die Frage offen, ob er bei den Länderspielen die englische Nationalhymne mitsingen würde. Viel Gesprächsbedarf also vor dem Debüt im Wembleystadion gegen Albanien, wo in der WM-Quali ein klarer Sieg erwartet wird.
Skepsis und doch Respekt für Tuchel
Die englische FA lag schon einmal mit einem ausländischen Coach daneben. Fabio Capello erlebte als Trainer der Three Lions beim 1:4 gegen jenes Deutschland die höchste Niederlage der englischen Nationalmannschaften bei einer Weltmeisterschaft. Das war 2010. Unter der Regie von Gareth Southgate, mit dem wohl besten England-Kader aller Zeiten, schaffte man es 2018 ins WM-Halbfinale und danach zweimal in Folge ins EM-Endspiel (2021 und 2024). Zum ersten Titel seit 1966 reichte es trotzdem nicht. Die Engländer hören es nicht gerne, aber heimische Trainer im Elite-Fußball sind rar. In der Premier League sind es von 20 Mannschaften nur zwei englische „Manager“, wie sie auf der Insel genannt werden. Einer von ihnen, Graham Potter, stand bei vielen Experten ganz oben auf der Liste der Kandidaten für den Three-Lions-Job. Schlussendlich heuerte er bei Betways Sportwettenpartner West Ham United an.
Als Thomas Tuchel dann in London als neuer Chefcoach vorgestellt wurde, waren viele enttäuscht. Einen WM-Titel holen mit einem Deutschen an der Seitenlinie? Eigentlich undenkbar. Viele englische Fans sind nationalistisch und konservativ, die lokalen „Tabloids“ bzw. Boulevardmagazine so hart und unbarmherzig wie nirgendwo anders. Bleiben die Resultate aus, wird es schnell Kritik hageln. Thomas Tuchel weiß aber, wie er mit der Presse umzugehen hat. Auch wenn er sich durch seine Art hin und wieder angreifbar macht, ist er selten um eine klare Antwort verlegen. Auf die Frage, warum er immer noch so viel Zeit in Deutschland verbringe, erwiderte Tuchel: „Da müssen sie die Zeitspannen durcheinander bringen. Ich war in der Heimat, als ich noch nicht offiziell mein Amt angetreten hatte, lebe jetzt aber in London und sehe nur hin und wieder meine Kinder.“ Klare Kante gegen die schwierige englische Presse.
Diese Situation ist für den gebürtigen Schwaben allerdings auch kein Neuland. Als er 2021 beim FC Chelsea anfing, kannten ihn die Fans kaum. Ein Jahr später holte er mit den Blues allerdings die Champions League. Ein Erfolg, den kaum ein englischer Coach vorzuweisen hat. Die Vita spricht also für Tuchel.
Kadernominierungen ein Thema
Klar ist, die beiden anstehenden WM-Qualifikationsheimspiele gegen Albanien und Lettland müssen ohne Probleme gewonnen werden. Dass Jordan Henderson und Marcus Rashford trotz schwankender Lesitungen nominiert wurden, war bereits ein Kritikpunkt. Allerdings scheint Tuchel mit der Nominierung des frischgebackenen Ligapokalsiegers Dan Burn genau richtig zu liegen. Die Fans und Experten werden seine Entscheidungen genau beobachten, denn am Ende des Tages bleibt er ein deutscher Trainer in einer Three-Lions-Jacke. Gewinnt er im Sommer 2026 den WM-Titel, wäre das schlussendlich vermutlich nicht mehr so wichtig…
















