„Arsenal muss beweisen, dass die Niederlage gegen Brighton eine Ausnahme war“ - der Weltmeister von 1998 spricht über Arsenal, Barcelona, Frankreich & mehr.
Arsenal ist stark in die Saison gestartet, dann gab es bei Brighton jedoch eine 0:3-Niederlage. Schreibst du dieses Ergebnis einfach als Ausrutscher ab, oder machst du dir Sorgen wegen der Leistung?
Die Zeit wird zeigen, ob das eine Ausnahme war, aber jetzt stehen Länderspiele an, sodass wir erstmal abwarten müssen. Das ist das Schlimmste an der Länderspielpause – man kann eine Niederlage nicht sofort wiedergutmachen. Man muss mit diesem 3:0 leben, und alle reden darüber.
So etwas ist Arsenal unter Mikel Arteta in der Liga schon sehr lange nicht mehr passiert, daher möchte man gerne glauben, dass es sich um eine Ausnahme handelt, aber das müssen sie erst noch beweisen.
Seit Beginn der Saison ist von einem spielfreudigen Arsenal die Rede, aber ich habe gesehen, wie wir auswärts sehr knappe Spiele gewonnen haben. Wenn eine Mannschaft unsere Abwehr nicht knacken konnte, gelang uns oft das eine Tor, das zum Sieg reichte. Brighton hat jedoch etwas geschafft, was nicht viele Mannschaften geschafft haben. Sie haben unsere Abwehr geknackt, da gebührt ihnen Anerkennung.
Das Spiel in Brighton im letzten Jahr verlief genauso. Es war eine einseitige Partie, Bukayo Saka erzielte entgegen dem Spielverlauf ein abgefälschtes Tor, und wir hatten 42 Prozent Ballbesitz. Der Unterschied ist, dass Raya uns letztes Jahr immer wieder aus der Patsche geholfen hat und die Abwehr stark war. Dieses Mal hat die Mannschaft als Einheit nicht gut verteidigt, und Raya hat uns nicht aus der Patsche geholfen.
Jetzt muss man nach vorne schauen und versuchen, das wieder geradezubiegen. Die Saison ist noch jung, und ich kann mich daran erinnern, dass Manchester United 1999 mit 0:5 gegen Chelsea verloren hat. Das hat sie nicht davon abgehalten, die Meisterschaft zu gewinnen.
Wir haben in diesem Jahr gesehen, wie Mannschaften wie Brighton, Brentford, Hull und Leeds den „Big Six“ Punkte abgenommen haben. Ist es gut für die Premier League, dass diese Vereine mit der Tabellenspitze mithalten können?
Das ist mittlerweile ganz normal. Brighton und Brentford haben in letzter Zeit Großartiges geleistet, Leeds hat die letzte Saison wirklich gut abgeschlossen und knüpft daran an. Die einzige Mannschaft, die einen überraschen kann, ist Hull, die ebenso wie Sunderland im letzten Jahr in die Premier League aufgestiegen ist. Auch zu meiner Zeit belegte Ipswich einmal den fünften Platz und Sunderland den siebten – es gibt also immer eine Mannschaft, die einen überraschen wird.
Für den neutralen Beobachter ist das großartig, denn eine Zeit lang dachten alle, Arsenal würde sich den Titel im Alleingang sichern, da sich Chelsea, Man City und Liverpool mit neuen Spielern und neuen Trainern erstmal finden müssen. Nun ist Länderspielpause und Arsenal liegt drei Punkte hinter Man City.
Ich glaube, als neutraler Zuschauer möchte man jedes Wochenende große Spiele sehen, spannende Duelle und Mannschaften, von denen man vielleicht nicht erwartet hätte, dass sie so gut abschneiden. Das ist toll anzusehen.
Myles Lewis-Skelly hat für Arsenal einen starken Saisonstart hingelegt und wurde in den Kader der englischen Nationalmannschaft berufen. Wie wichtig war es für Arsenal, ihn im Sommer zu halten?
Das war ganz entscheidend. Als Arsenal-Fans freuen wir uns, wenn Spieler wie Bukayo Saka, Myles Lewis-Skelly, Max Dowman – und die Liste ließe sich fortsetzen – aus der eigenen Jugend kommen und für den Arsenal Football Club spielen. Das ist sehr wichtig. Natürlich wird man im Laufe der Zeit auch Spieler einkaufen, aber es ist immer schön zu sehen, wenn erfolgreiche Nachwuchsspieler aus der eigenen Akademie den Sprung schaffen und für Arsenal spielen – denn was wäre sonst der Sinn einer Akademie?
Das liegt aber nicht nur daran, dass Lewis-Skelly aus der eigenen Jugend stammt, sondern daran, dass er gute Leistungen zeigt und uns letztes Jahr in entscheidenden Momenten geholfen hat. Als Mikel ihn ins Mittelfeld stellte, hat er diese Herausforderung sofort gemeistert. Er hat seine Leistung abgerufen und so etwas muss man belohnen. Er kommt regelmäßig zum Einsatz und wurde nun für die englische Nationalmannschaft nominiert. Mehr kann man sich nicht wünschen.
Bist du beeindruckt davon, wie schnell sich Christos Tzolis in die Mannschaft von Arsenal integriert hat?
Ja, ich verfolge seine Karriere schon seit langer Zeit, seit er noch für Club Brügge gespielt hat. Er ist ein sehr solider Teamspieler, er arbeitet hart, scheut sich nicht, den Ball zu übernehmen, hat ein gutes Auge für Pässe, und wenn er nach innen zieht, kann er ein paar Vorlagen liefern, wie wir bereits gesehen haben. Er hat sich sofort gut eingefunden.
Es ist schon hilfreich, wenn man neu zum Verein kommt und vielleicht der einzig neue Stürmer in einer Mannschaft ist, die bereits gut eingespielt ist – im Gegensatz zu einer Situation, in der es vier oder fünf neue Spieler und einen neuen Trainer gibt.
Man sieht, dass er auswärts immer noch Schwierigkeiten hat. Er muss begreifen, was es bedeutet, in der Premier League auswärts zu spielen – wie wir es in der Partie gegen Aston Villa gesehen haben. Aber das ist normal. Insgesamt finde ich, dass er sich bisher gut geschlagen hat.
Liverpool hat viel Geld ausgegeben, um Bradley Barcola nach Anfield zu holen. Ist er jemand, der zu einem der besten Flügelspieler der Welt werden kann?
Das kommt darauf an, denn man vergisst oft, dass die Taktik, die Mannschaft und die Spielweise eine Rolle spielen. Man sieht, dass jeder, der in Luis Enriques System zum Einsatz kommt, glänzt – Kvaratskhelia, Dembélé, Doue, Barcola.
Es ist nicht immer einfach, wenn man an ein bestimmtes System und eine bestimmte Spielweise gewöhnt ist, bei der jeder jederzeit weiß, was gerade passiert. Er ist kürzlich erst in Liverpool angekommen, spricht kein Englisch, und in der Liga herrscht ein anderer Spielstil mit einer anderen Intensität.
Ich musste genauso damit umgehen, und dann hat es plötzlich „Klick“ gemacht, und ich habe mich wohler gefühlt. Man fängt an, Englisch zu sprechen, man kann in der Umkleidekabine Witze machen, man ist etwas weniger schüchtern und die Leute lernen einen besser kennen.
Es ist kein einfacher Einstieg, und er hat zwar nicht nach seinem Preis gefragt, aber der steht quasi auf seinem Trikot. Wir alle wissen, dass er im Eins-gegen-Eins bärenstark ist und über Tempo verfügt. Das Einzige, woran er noch arbeiten muss, ist sein Abschluss, aber das ist normal. Wenn man meinen Abschluss mit 19 oder 20 mit dem am Ende meiner Karriere vergleicht, war das ein riesiger Unterschied. Ich bin in meinem Spiel viel selbstbewusster geworden.
Da er zweimal hintereinander die Champions League gewonnen hat, für Frankreich spielt und angesichts seines Marktwerts und seiner Qualität, werden die Leute nicht darauf warten, dass er sich erst noch voll entwickelt – er muss also sofort Leistung bringen. Die Erwartungen werden hoch sein und manchmal ist er im Abschluss noch etwas unerfahren, aber er kreiert unglaublich viele Torchancen.
Jeremy Jacquet bestritt in der Ligue 1 nur 37 Spiele, bevor er zu Liverpool wechselte. Wie hoch ist sein Ansehen in Frankreich?
Das war schon immer sehr hoch. Als ich Trainer der U21 war, wollte ich ihn nominieren – er war erst 16 oder 17 – aber er kam nicht, weil er seine Schulprüfungen ablegen musste. So sehr er sich auch auf den Fußball konzentriert, so sehr konzentrierte er sich auch darauf, seine Abschlüsse zu machen. Er hat den Kopf ganz klar bei der Sache, und seine Familie weiß, was er tun muss, und wie er erfolgreich sein kann.
Mir wurde gesagt, dass er schon immer als „Mann“ galt, aber so läuft es nicht immer. Ich habe schon oft erlebt, dass Spieler, die in diesem Alter „männlich“ waren, sich später doch nicht als der Führungsspieler herausgestellt haben, während es manchmal auch umgekehrt läuft.
Man sieht, dass er bereits versteht, was er tun muss, vor allem im körperlichen Bereich des Spiels. Es hilft auch, wenn man an der Seite von Virgil spielt. Aber überrascht es mich, dass er mit den hohen Erwartungen zurechtkommt? Nein, nicht wirklich, denn in der französischen Jugendmannschaft war er ständig in dieser Situation.
Barcelona hat zwei Meistertitel in Folge gewonnen und gilt in dieser Saison bislang als die dominierendste Mannschaft Europas. Wie groß wird der Druck auf den Verein sein, die Champions League zu gewinnen?
Nun, in acht Spielen seit Saisonbeginn haben sie 36 Tore geschossen und acht Gegentore kassiert. Es ist einfach unglaublich, was sie da leisten.
Bei jedem großen Verein muss man alles gewinnen. Das ist das Ziel zu Beginn der Saison. Man hat keine Wahl – man gibt alles und schaut, was man erreichen kann. Aber ja, die Erwartungen sind höher, wenn es so aussieht, als würde es ein gutes Jahr werden.
Wenn man in Barcelona gewinnt, ist die ganze Stadt in Aufruhr und die Mannschaft ist in bester Stimmung. Dort herrscht eine unglaubliche Atmosphäre. Es ist einfach großartig, ein Teil davon zu sein.
Für mich geht es nicht so sehr um die Tore, die sie schießen, sondern darum, dass sie die Konter etwas besser kontrollieren. Die Spieler lassen den Gegner nicht so sehr in die Partie kommen. Sie wirken, als meinen sie es ernst. Das ist erst der Anfang – so wie Lamine Yamal und Raphinha derzeit in Form sind: Wenn sie zwei Spieler haben, die so performen, ist das beängstigend.
Barcelona ist in den letzten beiden Jahren aus der Champions League ausgeschieden, nachdem die Abwehr zu viele Gegentore kassiert hatte. Siehst du in dieser Saison eine Umstellung im Spielstil, um defensiv solider zu werden?
Sie haben ihren Spielstil nicht geändert, sondern einfach einen Spieler, der dazu beigetragen hat, die richtige Balance in der Mannschaft herzustellen. Es geht nicht nur um Rodri – man verteidigt als Mannschaft, man greift als Mannschaft an und man bestimmt das Spieltempo als Team, aber ihnen fehlte ein Puzzleteil. Das Puzzle ist nun vollständig.
Was erhoffst du dir von Frankreich in dieser Länderspielpause mit Hinblick auf die EM 2028?
Für Frankreich gibt es jetzt nur noch ein Ziel, das für alle gilt: Wie kann man Spanien schlagen? Zu unserem Leidwesen war Spanien die Mannschaft, die uns den Einzug ins Finale der EM 2024 und der WM 2026 verwehrt hat. Und das Team, die meine Mannschaft daran gehindert hat, die Olympischen Spiele zu gewinnen. Das ist also das Ziel für die ganze Welt: Wie schlägt man Spanien?









